top of page

Wenn "gut genug" nie reicht: Perfektionismus verstehen

Wenn die E-Mail zum fünften Mal gelesen wird


Man kennt es: Die E-Mail wird zum fünften Mal durchgelesen, bevor sie endlich rausgeht. Die Präsentation ist inhaltlich längst fertig, aber irgendwie fühlt sie sich "noch nicht rund genug" an. Und wenn dann doch mal ein kleiner Fehler passiert, dreht sich der Kopf den ganzen Tag nur noch darum. Kommt dir das bekannt vor? Dann bist du nicht allein – und es hat einen Namen: Perfektionismus.



Wenn aus Anspruch Druck wird


Ein gewisser Anspruch an sich selbst ist erstmal nichts Schlechtes. Er treibt uns an, sorgt für Sorgfalt und gute Ergebnisse. Problematisch wird es, wenn aus "ich möchte das gut machen" ein "es muss perfekt sein, sonst zählt es nicht" wird.


Aus der Motivation wird Druck, aus dem gesunden Ehrgeiz eine ständige innere Anspannung, die selten wirklich nachlässt – selbst wenn etwas objektiv gut gelungen ist.



Alles oder nichts


In der Psychologie spricht man hier oft von dysfunktionalem Perfektionismus. Typisch dafür ist ein Alles-oder-Nichts-Denken: Entweder ist etwas makellos, oder es ist ein Versagen – ein Mittelmaß dazwischen gibt es in der Wahrnehmung kaum.


Häufig steckt dahinter auch die Angst, bei Fehlern weniger wert oder weniger liebenswert zu sein. Der eigene Selbstwert wird dann eng an Leistung geknüpft: Ich bin gut, wenn ich etwas gut mache. Das ist auf Dauer anstrengend, weil der Maßstab immer weiter mitwächst und das Ziel nie wirklich erreicht werden kann.



Was wirklich hilft


Die gute Nachricht: Perfektionismus ist ein erlerntes Muster – und erlernte Muster lassen sich verändern. Ein paar Denkanstöße, die dabei helfen können: "Gut genug" vorab definieren, ein bewusstes Zeitlimit setzen, Fehler als Information statt als Urteil betrachten, und Selbstmitgefühl üben – sprich mit dir selbst so, wie du mit einer guten Freundin oder einem guten Freund sprechen würdest.



Gut genug ist gut genug


Perfektionismus ganz abzulegen, gelingt selten von einem Tag auf den anderen. Aber schon der erste Schritt – das eigene Muster überhaupt zu erkennen und es infrage zu stellen – schafft mehr Raum zum Atmen. Und manchmal ist "gut genug" tatsächlich genau das: gut genug.

 
 
 

Kommentare


KONTAKT

Am Fort Elisabeth 7 

55131 Mainz

​​

Tel.: +49 (0) 176 420 14549

© 2026 Fabian Solms

DSGVO 

Konform

Danke für die Nachricht!

bottom of page